Am Dienstag, den 4. Dezember, macht sich die R9e gemeinsam mit ihrem Klassenlehrer Herr Müller und ihrer Englischlehrerin Frau Roth auf einen Ausflug in das Dialogmuseum in Frankfurt auf. Hierbei handelt es sich um eine Ausstellung in völliger Dunkelheit, mit authentischen Requisiten, Düften und Tönen. Dort erhält man die einmalige Möglichkeit, sich in das Leben eines blinden Menschen hineinzuversetzen, die Perspektive zu übernehmen und gleichzeitig einen Dialog mit einem blinden Menschen zu führen. Ziel ist es hierbei Respekt, Toleranz und Offenheit gegenüber Anderen zu entwickeln und insbesondere blinde Menschen aus einer ganz neuen Perspektive wahrzunehmen und vorurteilsfreier zu begegnen. Um sicher zu gehen, dass nichts die Dunkelheit stören wird und wir uns ganz auf das Experiment einlassen werden, mussten wir unsere Handys und alles andere Lichtspendende zurücklassen. Wir wurden gruppenweise von einem blinden Guide durch einen Parcours geführt, der insgesamt 60 Minuten dauerte und vier Erlebnisräume beinhaltete. In einem halbdunklen Vorraum bekam jeder von uns einen Blindenstock, der uns später helfen sollte uns zurechtzufinden. Zudem wurde uns der Umgang mit dem Blindenstock und die Regeln für den Parcours erklärt. Während dieser Zeit gewöhnten sich unsere Augen bereits allmählich an die Dunkelheit. Nun begann die Führung: Es war stockdunkel und wir konnten tatsächlich nichts sehen und mussten uns ganz auf unsern Hör- und Tastsinn verlassen. In dem ersten Raum konnten wir ein Plätschern und Vogelgezwitscher vernehmen. Schnell wurde uns klar, dass wir uns in einem Park oder Wald befinden mussten. Wir konnten einen Wasserfall ertasten und entdeckten einen Bach, den wir über eine wackelige Brücke überqueren mussten. Hier war zusätzlich Teamwork gefragt, denn wir mussten einander das Treppengeländer „zeigen“. Immer wieder merkten wir, dass Reden notwendig war: In der kompletten Dunkelheit ging jeder verloren, der nicht mit seinen Teammitgliedern sprach. Zum zweiten Raum führte ein schmaler Weg, der leicht bergab ging. Dort angekommen durften wir uns kurz auf einem Sofa erholen und verschiedenen Klängen lauschen, bevor uns erneut ein schmaler Gang, der dieses Mal leicht bergauf ging, zum nächsten Raum leitete. Die Geräuschkulisse machte uns erneut sofort bewusst wo wir uns diese Mal befanden: Mitten in einer Stadt, auf einem Gehweg mit stark befahrener Straße, die wir ebenfalls überqueren mussten. Was sonst zu unserem alltäglichen Handeln gehört war nun eine Herausforderung für uns. Wir mussten der Ampel lauschen: Das Klacken der Ampel gibt blinden Menschen an, wann es rot oder grün ist. Beim Überqueren der Straße mussten wir auch den beachtlichen Absatz vom Bordstein auf die Straße und wieder zurück beachten, den wir erst einmal mit unserem Blindenstock ertasten mussten. Im letzten Raum wartete eine Dunkelbar auf uns, in der wir Getränke und Snacks kaufen konnten. Hierbei fiel es uns sehr schwer mit den passenden Münzen zu bezahlen. Anschließend setzten wir uns gemeinsam an einen Tisch und hatten die Gelegenheit uns über unsere Erfahrungen und Eindrücke auszutauschen und unserem Guide Fragen zu stellen. Der Parcours endete in einem erneut halbdunklen Raum, in dem sich unsere Augen wieder nach und nach an das Tageslicht gewöhnen konnten. Das Dialogmuseum folgt dem Prinzip, dass der Mensch durch Begegnung lernt, was wir nur bestätigen können: Es war eine einmalige Erfahrung, alltägliche Situationen blind erleben zu können, was uns darüber hinaus dabei geholfen hat, die Situation und das Leben von blinden Menschen ein bisschen mehr nachvollziehen zu können.
Verf. von Fr. Roth

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